„Endlich fühle ich mich wieder ganz“


Von Kindesbeinen an schwerhörig, erleidet Philippe als 22-Jähriger mehrere Hörstürze, die ihm nicht nur das Gehör sondern auch seine Lebensqualität nahezu vollständig nehmen. Erst das Cochlea-Implantat schenkt ihm wieder die Fähigkeit, hören und unbeschwert leben zu können

Dank seines Cochlea-Implantats kann Philippe das Leben wieder mit allen Sinnen genießen © Philippe Suter

Solange Philippe denken kann, ist er auf dem rechten Ohr hochgradig schwerhörig. Da das linke Ohr jedoch intakt war, kam er mit seinem geminderten Hörvermögen für viele Jahre zurecht. Doch eine Folge von schweren Hörstürzen änderte dies schlagartig, denn plötzlich war der damals 30-Jährige nahezu taub. Für Philippe wurde damit nicht nur das Hören, sondern das alltägliche Leben selbst zur Herausforderung. Am persönlichen Tiefpunkt angekommen, beschloss er sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Er entscheidet sich für ein Cochlea-Implantat und ändert damit schlagartig sein Leben - zum besseren, wie er selber sagt. Philippes Geschichte zeigt einmal mehr, dass, man sich mit Hörverlust nicht einfach abfinden sollte. Denn wenn Hörgeräte nicht mehr helfen gibt es dank moderner Hörlösungen dennoch Möglichkeiten der Behandlung.

„Die Hörgeräte und ich waren keine Freunde“

Vermutlich kam Philippe schon schwerhörig zur Welt, doch erst im Kindergarten wurde der Hörverlust bemerkt. Die darauffolgenden HNO-Untersuchungen bestätigten den anfänglichen Verdacht und diagnostizierten hochgradigen Hörverlust auf dem rechten und einen leichten Hörverlust auf dem linken Ohr. Mit dem Wechsel in die Primarschule, erhielt Philippe seine ersten Hörgeräte. Der Besuch der Regelschule forderte dem zielstrebigen Schüler viel ab: „Ich musste mich sehr viel mehr konzentrieren und noch besser aufpassen als meine hörenden KlassenkameradInnen, um dem Unterricht folgen zu können. Während der ersten Schuljahre verbrachte ich meine Freizeit deshalb mit viel Hörtraining und unzähligen Lernstunden mit meiner Mutter. Auch las ich viele Bücher laut, um meine Aussprache und Rechtschreibung zu festigen“, beschreibt Philippe seinen früheren Schulalltag.

Der Fleiß zahlte sich aus und Philippe konnte trotz seiner Hörhilfen das Gymnasium besuchen. Doch der Schulalltag gestaltete sich für den jungen Gymnasiasten alles andere als einfach, denn er war der einzige Schüler der Klasse, vielleicht sogar des gesamten Gymnasiums, mit Hörgeräten.  „Kinder können gemein sein“, erinnert sich Philippe an seine Schulzeit zurück. „Ich wurde oft wegen meiner Hörgeräte gehänselt. Ich sah einfach anders aus als die anderen Kinder.“ Aus Scham und, um weiteren Anfeindungen zu entgehen, legte Philippe, wann immer möglich seine Hörhilfen ab. Da sein linkes Ohr zu diesem Zeitpunkt noch sehr gut funktionierte, konnte er den Hörverlust einigermaßen kompensieren.

Neben dem schulischen Druck, hatte der Jugendliche im Alter von 10 bis 20 Jahren zusätzlich mit wiederkehrenden Schwindelanfällen zu kämpfen, die ihn regelmäßig ins Krankenhaus führten: „Man konnte die Ursache nie eindeutig klären, doch die Ärzte vermuteten immer, dass es mit meinem Gleichgewichtsorgan zusammenhängt, das durch meine Schwerhörigkeit beeinträchtigt war.“

Mit 16 Jahren entschied sich Philippe für eine kaufmännische Ausbildung, die er trotz seiner Hörbehinderung erfolgreich abschloss. „Vermutlich wäre ein Studium für mich zum damaligen Zeitpunkt keine Option gewesen. Die Lautstärke in einem Hörsaal wäre einfach zu groß gewesen“,  so der gelernte Kaufmann rückblickend. Mit den Jahren wechselte Philippe zwischen verschieden Hörgeräten, doch der Verlust seines Gehörs ließ sich nicht aufhalten.

„Und plötzlich war ich praktisch taub“

„Ironischerweise war es nicht mein rechtes, ohnehin schon schwerhöriges Ohr sein, das seinen Dienst fast völlig einstellte“, so Philippe vielsagend. Mit 22 Jahren erlitt Philippe seinen ersten Hörsturz, dessen Folgen sich vor allem einseitig bemerkbar machten: „Ich büßte einen Teil meines Hörvermögens auf der linken Seite ein. Auch die Hörgeräte konnten dies nicht wieder ausgleichen.“ In dieser Zeit begannen auch die Gleichgewichtsprobleme, unter denen Philippe fortwährend litt. Und hier zeigte sich für den jungen Mann auch erstmals, welche tiefgreifenden Auswirkungen sein Hörverlust auf seinen Alltag haben sollte. Da ihm die Koordination fehlte, musste er das Skifahren und Snowboarden aufgeben, keine leichte Entscheidung für den passionierten Wintersportler. Kurze Zeit später hängte er auch das Klavier spielen, neben dem Sport seine zweite große Leidenschaft, an den Nagel. Die Musik, wie er sie kannte, klang nicht mehr gleich. Es hörte sich falsch an.

Auf den ersten Hörsturz folgten fünf weitere, die das Gehör so sehr in Mitleidenschaft zogen, dass Philippe im Alter von 30 Jahren auf dem linken Ohr nahezu taub war. „Jetzt konnte ich meinen Hörverlust nicht mehr verstecken“, gestand er sich selbst ein. Die Arbeit auf der Gemeinde wurde immer herausfordernder. Anfangs konnte der Gemeindeangestellte seine Kunden am Telefon nicht mehr verstehen, später war es ihm auch fast nicht mehr möglich einer Unterhaltung zu folgen. „Ich schämte mich für meinen Hörverlust. Ich wollte nicht immer nachfragen, wenn ich etwas nicht verstanden hatte, deshalb habe ich mir vieles zusammengereimt und versucht von den Lippen abzulesen.“ Auch wenn seine Kollegen sehr verständnisvoll waren und ihn so gut wie möglich im Arbeitsalltag unterstützten, wollte Philippe nicht auf Hilfe angewiesen sein. Er zog sich immer weiter in sich zurück, isolierte sich und verbrachte immer mehr Zeit in der Stille.

„Muss ich wirklich damit leben?“

„Ich war völlig mutlos und am Boden zerstört“, so beschreibt der Solothurner seine damalige Verfassung. „Ich fragte mich, will ich wirklich immer so weiter machen?“ Die Frage konnte Philippe eindeutig mit „nein“ für sich beantworten. Also begann er sich mit möglichen Behandlungsalternativen auseinanderzusetzen. Von Cochlea-Implantaten hatte er bereits unmittelbar nach seinem ersten Hörsturz erfahren, doch diese nie ernsthaft in Betracht gezogen. Zu groß, zu auffällig war der Audioprozessor, welcher, bei dem Gedanken diesen hinter dem Ohr tragen zu müssen, unangenehme Kindheitserinnerungen wachrief.

Doch schließlich war der Leidensdruck so hoch, dass er sich für die Behandlungsoption öffnete: „Ich wollte einfach nicht mehr so isoliert leben.“ Es war eine intensive Zeit, in der er sich viel mit seiner Familie, seinen Freunden und auch Ärzten beraten hatte. Sie alle rieten ihm zu einer Implantation. Doch ausschlaggebend, für die Entscheidung für ein Cochlea-Implantat, war die Begegnung mit einem CI-Nutzer: „Zu sehen, was er alles wieder konnte, wie er im Leben wieder Fuß gefasst hat, lies mich nicht nur staunen, sondern löste in mir den Wunsch aus, all dies auch wieder erleben zu können.“ Trotzdem sollte noch ein Jahr vergehen, bis Philippe schließlich im Inselspital in Bern operiert wurde. Wirkliche Sorgen, dass ihm während der Operation etwas passieren könnte, machte er sich nicht. Da er sich in der Vergangenheit bereits mehrere Kieferoperationen unterzogen hatte  und auch im Kindesalter oft zu Abklärungen im Inselspital war, hatte er großes Vertrauen in die Ärzte. „Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu verlieren – und alles zu gewinnen“, so die Kämpfernatur.

„Ich verspürte pure Freude“

Am Mittwochmorgen des 28. November 2012 wurde Philippe, rund eine Woche vor seinem 33. Geburtstag, schließlich implantiert. Die Operation verlief problemlos, sodass er bereits nach zwei Tagen das Krankenhaus verlassen konnte. „Unmittelbar nach dem Eingriff verspürte ich ein Benommenheits- und Druckgefühl hinter dem Ohr, dort wo das Implantat nun saß. Aber schmerzhaft war es nicht wirklich. Ich war nur sehr müde und habe viel geschlafen“, reflektiert er die Momente nach der Implantation.

Rund einen Monat nach dem Eingriff wurde das Implantat und der Audioprozessor aktiviert – und Philippe konnte erstmals wieder hören. Tatsächlich empfand er die ganze Welt bei der ersten Aktivierung als extrem laut: „Es war ein bisschen so als hätte jemand plötzlich das Radio voll aufgedreht, weshalb es mir anfangs sehr schwer fiel, die vielen verschiedenen Geräusche zu beschreiben und richtig zuzuordnen. Doch das besserte sich mit der Zeit.“ Mit seinem CI kam Philippe gut und sehr schnell zurecht und dank des intensiven Hörtrainings kehrte auch die Erinnerung an vieles zurück, was der CI-Träger längst vergessen glaubte. Heute freut sich der Naturliebhaber darüber, die Vögel wieder zwitschern oder das Klicken der automatischen Zentralverriegelung seines Autos zu hören. Ein besonders eindrückliches Erlebnis für Philippe war, als er bei einem Spaziergang das Grasen der Kühe hören konnte. Ein Geräusch, von dem er gar nicht wusste, dass es existiert.

„Ich habe das Gefühl, etwas vor langer Zeit verlorenes, endlich wiedergefunden zu haben“ – und damit meint Philippe nicht nur sein Gehör. Denn mit der Fähigkeit wieder hören zu können, kam auch die Lebensfreude zurück. Heute ist er wieder unter Menschen, geht gerne arbeiten und kann im Alltag alles unternehmen, was ihm schon immer Spaß gemacht hat. Sogar das Klavierspielen auf einem E-Piano hat der Hobbymusiker wieder aufgenommen und auch Konzertbesuche machen dem Musikfan heute wieder große Freude. „Das CI hat mir ein neues Leben geschenkt. Ich höre so gut wie nie zuvor und verspüre pure Freude. Es ist ein überwältigendes Gefühl wieder hören zu können, ein Gefühl von endlich wieder da zu sein“, sagt Philippe strahlend und dankbar.

Stand: September 2019

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Über MED-EL

MED-EL Medical Electronics, führender Hersteller von implantierbaren Hörlösungen, hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroelektronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats (CI) führte, das 1977 implantiert wurde und die Basis für das moderne CI von heute bildet. Damit war der Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen gelegt, das 1990 die ersten Mitarbeiter aufnahm. Heute beschäftigt MED-EL weltweit mehr als 2.400 Personen aus rund 80 Nationen in 30 Niederlassungen. Das Unternehmen bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust; Menschen in 134 Ländern hören mithilfe eines Produkts von MED-EL. Zu den Hörlösungen von MED-EL zählen Cochlea- und Mittelohrimplantat-Systeme, ein System zur Elektrisch Akustischen Stimulation, Hirnstammimplantate sowie implantierbare und operationsfreie Knochenleitungsgeräte www.medel.com

 

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