„Plötzlich hörte ich sogar einen Kugelschreiber klicken. Das war unglaublich“


Dank ihrer Cochlea-Implantate kann Valerie Pestinger ihr Leben wieder genießen © Valerie Pestinger

Valerie Pestinger weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer die Entscheidung für ein oder in ihrem Fall zwei Cochlea-Implantate (CI) sein kann, denn rund drei Jahrzehnte lebte sie mit ihrem Hörverlust und allem, was dazu gehörte. Erst als der Leidensdruck zu groß und ihr privater wie beruflicher Alltag immer herausfordernder wurde, wagte die heute 36-jährige promovierte Molekularbiologin den für sie lebensverändernden Schritt. Vielleicht ein bisschen zu spät, wie sie rückblickend sagt: „Es war ein langes, langes Zögern. Es waren einfach wahnsinnig viele Ängste und Sorgen mit dieser Implantation verbunden. Heute weiß ich, dass sie unbegründet waren. Doch damals überwog einfach die Furcht. Mein größter Fehler war es, erst nach meiner Operation, in der Reha, den Kontakt zu anderen Cochlea-Implantat-Träger*innen zu suchen. Hätte ich diese Menschen schon früher kennengelernt, hätte ich mich vielleicht schon eher für meine Hörimplantate entschieden.“ Warum der Sprung ins kalte Wasser manchmal die einzig richtige Entscheidung ist, wie Valerie Pestinger ihr Leben mit Hörverlust meistert und welche Möglichkeiten sich der jungen Mutter dank ihrer CIs bieten, zeigt ihre beeindruckende Lebensgeschichte.

Eine Meningitis, die zu spät erkannt wurde, ist die Ursache für Valerie Pestingers Hörverlust. Im Alter von vier Jahren ertaubte sie in Folge einer Hirnhautentzündung auf dem rechten Ohr und ist auf dem linken seither hörgeschädigt. Auch Hörgeräte konnten nur notdürftig Abhilfe schaffen, da sie nur auf der linken, der hörgeschädigten Seite, eine kleine Wirkung erzielen konnten. Konventionelle Hörhilfen funktionieren, vereinfacht ausgedrückt, wie ein Verstärker, der alle Geräusche nur lauter macht. Entsprechend sind sie auf ein zumindest teilweise intaktes Gehör angewiesen und konnten aufgrund von Valeries Taubheit auf der rechten Seite nichts ausrichten. „Mein Glück war, dass ich bereits sprechen konnte als ich durch die Krankheit hörgeschädigt wurde. Meine Eltern haben mich immer unterstützt und sich zu hundertfünfzig Prozent mit Logopädiestunden hinter meine Förderung geklemmt. Auch deshalb bin ich eigentlich sehr selbstverständlich unter Hörenden aufgewachsen“, resümiert die gebürtige Frankfurterin ihre Kindheit und Jugend.

Trotzdem hatte es die Schülerin und spätere Studentin aufgrund ihrer Hörbeeinträchtigung in ihrem Schul- und Universitätsalltag deutlich schwerer als ihre Mitschüler*innen und Kommilitonen*innen. „Durch die Schulzeit und mein Studium musste ich mich ganz schön durchbeißen“, gibt Valerie Pestinger ehrlich zu. Hinzu kam, dass sich ihr Gehör auf der linken Seite mit den Jahren deutlich verschlechterte – mit weitreichenden Folgen. Im zweiten oder dritten Jahr ihrer Promotionsstelle erlitt die angehende Doktorandin einen Hörsturz, der einen bleibendem, sehr starken Tinnitus verursachte. „Ich hoffte zunächst, dass sich alles wieder verbessern würde. Ich klammerte mich an mein Restgehör und versuchte, so gut es ging, zurechtzukommen. Doch leider wurde es nicht mehr besser: Ich konnte meine Kollegen kaum noch verstehen, konnte nicht mehr telefonieren. Es war eine Katastrophe, das Arbeiten wurde unmöglich“, erinnert sich die damalige wissenschaftliche Mitarbeiterin an diese schwere Zeit zurück.

Am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen, wusste sie, dass sich etwas ändern musste. Von der Möglichkeit zur Behandlung ihres Hörverlustes durch Cochlea-Implantate hatte die Wahlhamburgerin schon seit ihrer Jugend Kenntnis. Auch ihre Ärzte rieten ihr immer wieder zu einem Hörimplantat. Doch solange ihr Gehör auf dem zweiten Ohr stabil war, kam eine Implantation für die junge Frau nicht in Frage – denn eine Operation wollte sie in jedem Fall vermeiden: „Ich hatte schlichtweg Angst. Eine Sorge galt der Operation, noch dazu am Kopf, das hat mich abgeschreckt. Und dann kann man das CI auch nicht einfach ausprobieren und wieder ablegen“, gesteht Valerie Pestinger ihre damaligen Bedenken ein. Als ihre Lebenssituation bedingt durch den Hörsturz jedoch so schwierig wurde, entschied sie sich, bestärkt durch die Tochter eines Freundes, die selbst beidseitig mit Cochlea-Implantaten versorgt ist, zu einer Implantation. „Im Grunde war es eine Art Trotzreaktion, die mich auch dazu bewog gleich beide Ohren implantieren zu lassen. Ganz oder gar nicht, dachte ich mir.“

Im November 2016, nach eingehenden Untersuchungen sowie umfangreicher Beratung, war es endlich soweit: Valerie Pestinger wurde implantiert. Die Operation, die mittlerweile als Routineeingriff gilt, verlief komplikationslos, sodass bereits wenige Tage nach dem Eingriff die CIs eingeschaltet wurden. Ein ganz besonderer Moment für die frisch gebackene CI-Trägerin: „Es hieß „Wir testen nur die Elektroden“ und man sagte mir, ich solle ja nicht zu viel erwarten. Ich hatte natürlich selbst schon gelesen, dass nicht jede*r sofort ein tolles Ergebnis hat – doch insgeheim hoffte ich die ganze Zeit, dass ich eine Ausnahme sein könnte. Und tatsächlich ging ich an diesem Tag mit einem riesigen Lächeln nach Hause: Plötzlich konnte ich mich wieder unterhalten und habe sogar einen Kugelschreiber klicken hören. Es war unglaublich“, berichtet sie noch heute mit leuchtenden Augen von ihrem ersten Hörmoment.

Durch diesen Erfolg motiviert, wollte Valerie Pestinger unbedingt weitere Fortschritte machen und trainierte direkt nach dem Einschalten ihrer Prozessoren, die sie wie ein Hörgerät hinter dem Ohr trägt, mit Apps und Musikprogrammen ihr Hörvermögen. Denn anders als bei einem Hörgerät, muss bei einem Hörimplantat das Hören wieder ein Stück weit neu gelernt werden. Ein Prozess, der viel Disziplin und Durchhaltevermögen erfordert, aber sich lohnt, wie die charmante Kämpfernatur weiß. Denn dank ihrer Eigeninitiative und einer Reha hat sich für Valerie Pestinger vieles geändert – zum besseren, wie sie selbst sagt: „Ich kann mittlerweile meinen Alltag und mein Berufsleben wieder super bewältigen, wozu auch das Telefonieren zählt. Auch Gruppendiskussionen kann ich gut folgen und mich dementsprechend einmischen. Am meisten genieße ich aber die einfachen Dinge im Leben: wie stundenlang und ohne Anstrengung mit einer guten Freundin zu quatschen und die ersten Wörter meines eigenen Kindes zu verstehen. Was am erstaunlichsten ist: Mein Tinnitus, der mich jahrelang geplagt hat, ist endlich weg!“, freut sich die Mutter einer 1,5-jährigen Tochter.

Rückblickend betrachtet, waren all ihre Sorgen und Ängste unbegründet. Die Entscheidung für zwei Cochlea-Implantate hat sie noch keinen Moment bereut. Auf die Frage, was sie anders machen würde, antwortet die studierte Molekularbiologin: „Ich hätte früher den Austausch mit anderen CI-Träger*innen suchen sollen, möglicherweise hätte ich dann mit meiner Entscheidung nicht so lange gezögert.“ Weil sie aus erster Hand weiß, wie wichtig der Kontakt zu anderen Betroffenen ist, engagiert sich Valerie Pestinger als Hörbotschafterin der Plattform „Endlich wieder Hören“, einer Initiative, die gemeinsam mit Hörimplantat-Nutzer*innen und Ärzt*innen zum Thema Hörverlust und seinen Behandlungsmöglichkeiten aufklärt. Menschen, die sich im Entscheidungsprozess für oder gegen ein Hörimplantat befinden, rät Valerie Pestinger ganz klar: „Habt Mut zum CI – es ist ein Stück Lebensqualität. Auch wenn der Erfolg mit CI ganz individuell ist, habe ich bis jetzt noch keine*n CI-Träger*in getroffen, bei der/m sich durch das CI das Hören nicht verbessert hat. Außerdem würde ich eine Reha, wie ich sie machen durfte, allen Betroffenen unbedingt empfehlen. Das war eine ganz tolle Erfahrung: Endlich war ich unter Gleichgesinnten, das Thema CI war hier kein Tabu. Von den anderen bekam ich sehr viele gute Tipps und habe Freundschaften geschlossen. In so einer Reha hat man genügend Zeit zum Üben und kann sich ganz bewusst mit dem Hören auseinandersetzen.“

Stand: Februar 2021

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MED-EL Medical Electronics, führender Hersteller von implantierbaren Hörlösungen, hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroelektronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats (CI) führte, das 1977 implantiert wurde und die Basis für das moderne CI von heute bildet. Damit war der Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen gelegt, das 1990 die ersten Mitarbeiter aufnahm. Heute beschäftigt MED-EL weltweit mehr als 2.400 Personen aus rund 80 Nationen in 30 Niederlassungen. Das Unternehmen bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust; Menschen in 134 Ländern hören mithilfe eines Produkts von MED-EL. Zu den Hörlösungen von MED-EL zählen Cochlea- und Mittelohrimplantat-Systeme, ein System zur Elektrisch Akustischen Stimulation, Hirnstammimplantate sowie implantierbare und operationsfreie Knochenleitungsgeräte. www.medel.com

 

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