„Mein Gehör wurde aus einem 24-jährigen Dauerschlaf geweckt“


Wolfgang Lindfeld und seine große Leidenschaft: Motorräder © Wolfgang Lindfeld

Der 22. März 1995 war ein Tag, der für Wolfgang Lindfeld alles verändern sollte. Während einer Probefahrt mit einem Motorrad seines eigenen Verkaufshauses verunglückt der gelernte KFZ-Meister schwer. Ein dreifacher Schädelbasisbruch mit beidseitigem Felsenbeinbruch, so lautete die Diagnose, die noch weitreichendere Konsequenzen nach sich ziehen sollte. Denn in Folge seiner Verletzungen verlor Wolfgang innerhalb weniger Wochen sein Gehör und ertaubte fast gänzlich.

„Links verabschiedete sich das Gehör komplett und rechts blieb mir nur noch ein Resthörvermögen von rund zwei Prozent“, erinnert sich der Münsterländer an den Beginn seines Hörverlustes zurück. Wolfgang wurde mit zwei Hörgeräten versorgt, die aber nur wenig halfen. „Ich verstand vieles falsch, konnte mich nicht mehr konzentrieren und war abends nur noch platt“, beschreibt der damals 40-jährige seine belastende Situation. Am Ende musste er sich eingestehen, dass er seinen Betrieb nicht mehr weiterführen konnte und verkaufte ein Jahr später sein geliebtes Motorradhaus.

Mit der Zeit lernte der passionierte Motorradfan aufgrund seines mangelnden Hörvermögens von den Lippen abzulesen. Er besuchte Kurse in Gebärdensprache, Hörtrainings und eine Reha in Bad Berleburg. Wieder zuhause, fiel Wolfgang in ein tiefes Loch. Was tut man, wenn man plötzlich nichts mehr zu tun hat? „Ich kam aus einem 10-12-stündigen Job, von hundert auf null. Was sollte ich also mit meiner neu gewonnen Zeit anfangen?“ Gerne hätte sich der zweifache Familienvater mehr um seinen Sohn und seine Tochter gekümmert, die beide mit acht und sechs Jahren noch recht jung waren.  „Doch die hohen Stimmen meiner Kinder konnte ich nur schwer verstehen. Das tat mir unendlich leid“, sagt Wolfgang heute traurig.

Statt die Nähe seiner Familie zu suchen, zog er sich immer weiter zurück. „Ich verkroch mich in meiner Werkstatt und hatte meine Ruhe.“ Dort begann der Hobbybastler alte Motorräder zu restaurieren. Alleine in seiner Werkstatt schraubte Wolfgang an alten, seltenen oder auch ganz gewöhnlichen Maschinen, die im Laufe der Zeit zu einer regelrechten Sammlung heranwuchsen und heute in seinem eigenen Museum bestaunt werden können.

Mit den Jahren lernte er sich mit seinem Zustand zu arrangieren. Von Behandlungsmöglichkeiten jenseits des klassischen Hörgerätes wollte er nichts wissen. „Mittlerweile hatte ich sogar Menschen kennengelernt, die mit einem Cochlea-Implantat wieder hören konnten und mir unbedingt zu einer Implantation rieten. Aber ich schmetterte alle diese Ratschläge ab, da ich mit dem wenigen Lippenlesen und meinem Restgehör meinte, doch irgendwie klar zu kommen“, erklärt Wolfgang seine Beweggründe.

Seine Meinung zu diesem Thema änderte sich grundlegend im Jahr 2016, nach fünf Hörstürzen innerhalb von zwei Monaten. Wolfgang wusste, er musste handeln. Doch weitere drei Jahre sollten vergehen ehe er im Februar 2019 endlich sein Implantat erhielt. Die Operation verlief ohne Komplikationen und bereits wenige Tage nach dem Eingriff konnte Wolfgang das Krankenhaus verlassen. Wieder daheim, führte ihn einer seiner ersten Wege direkt in die Garage zu seinem Motorrad. „Ich unternahm eine kleine Probefahrt. Ich musste es einfach wissen. Kann ich noch fahren? Spielt mein Gleichgewichtsinn mit?“ – und es klappte. „Ich stellte mein Motorrad zur Seite und nahm meine Frau in die Arme. Sie war glücklich und ich auch“, erinnert sich der 64-Jährige an diesen besonderen Moment zurück.

Wenige Wochen nach der Operation wurde der Audioprozessor, der für das Hören mit einem Cochlea-Implantat benötigt wird, aktiviert. „Ich spürte etwas, aber nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich benötigte Geduld.“ Doch schon in den nächsten Tagen stellte sich eine deutliche Besserung ein: „Das Hörtraining lief gut. Ich konnte jetzt einige Worte verstehen, Zahlen klappten auf Anhieb gut und Städtenamen wurden auch immer besser“, berichtet der Lüdinghausener von seinen ersten Fortschritten.

Heute, rund fünf Monate nach seiner Implantation, ist er stolz auf sein Gehör: „Es wird immer leichter, etwas zu verstehen. Ich kann sogar schon wieder ab und zu mit meiner Frau und meinen Kindern telefonieren“, freut sich Wolfgang, auch wenn er sich sicher ist, dass es noch ein paar Monate dauern wird, bis er wieder vollumfänglich Hören und Verstehen kann. Auch das Einstellen der Motorräder klappt wieder besser, da er dank des CI wieder hören kann, wie der Sound klingen soll.

Bereut hat Wolfgang seine Entscheidung nie, im Gegenteil. Der CI-Träger ermutigt alle Betroffenen in seiner Situation sich mit einem Cochlea-Implantat als Behandlungsmöglichkeit ernsthaft auseinander zu setzen. „Ich habe 24 Jahre die OP vor mir hergeschoben, aus Angst es könnte etwas passieren. Diese Angst war absolut unnötig.“

Stand: August 2019

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Über MED-EL

MED-EL Medical Electronics, führender Hersteller von implantierbaren Hörlösungen, hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroelektronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats (CI) führte, das 1977 implantiert wurde und die Basis für das moderne CI von heute bildet. Damit war der Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen gelegt, das 1990 die ersten Mitarbeiter aufnahm. Heute beschäftigt MED-EL weltweit mehr als 2.400 Personen aus rund 80 Nationen in 30 Niederlassungen. Das Unternehmen bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust; Menschen in 134 Ländern hören mithilfe eines Produkts von MED-EL. Zu den Hörlösungen von MED-EL zählen Cochlea- und Mittelohrimplantat-Systeme, ein System zur Elektrisch Akustischen Stimulation, Hirnstammimplantate sowie implantierbare und operationsfreie Knochenleitungsgeräte. www.medel.com

 

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