„Heutzutage kann jede Art von Hörverlust behandelt werden dank moderner Hörimplantate“


Prof. Georgios Mantokoudis ist langjähriger Experte auf dem Gebiet der Hörsysteme-Implantation © Universitätsspital Bern

In der Schweiz leben nach aktuellen Schätzungen des Schweizerischen Gehörlosenbundes rund eine Million Menschen jeden Alters mit einer Hörminderung. Doch nicht für alle ist das Hörgerät die passende Behandlungsmöglichkeit. Das Wissen um andere Optionen ist allerdings nach wie vor zu wenig verbreitet: Denn noch immer glauben viele Betroffene, dass sie mit ihrer Schwerhörigkeit austherapiert seien, wenn das Hörgerät wirkungslos bleibt. Dabei gibt es in der modernen Medizintechnik seit vielen Jahrzehnten erfolgreiche Alternativen. Wie diese genau aussehen, für wen sie in Frage kommen und warum sie eine Lösung sein können, wenn konventionelle Hörhilfen an ihre Grenzen stoßen, erklärt Prof. Georgios Mantokoudis, leitender Arzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO), Kopf- und Halschirurgie am Universitätsspital Bern und Leiter des Cochlea-Implantat Zentrums Bern.

Das Hörgerät ist bei einer Schwerhörigkeit nicht in allen Fällen das Mittel der Wahl. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es denn jenseits von konventionellen Hörgeräten?

Gerade für Menschen bei denen das klassische Hörgerät nicht mehr hilft oder aufgrund des Krankheitsbildes komplett wirkungslos bleiben würde, können Hörimplantate eine echte Option für die Betroffenen darstellen. Je nach Art des Hörverlustes kommt ein Knochenleitungs-, ein Mittelohr- oder ein sogenanntes Cochlea-Implantat (CI) in Frage. Auch, wenn diese Behandlungsformen in der breiten Öffentlichkeit leider immer noch zu unbekannt sind, handelt es sich hierbei um seit vielen Jahrzehnten erprobte Technologien. Das erste Cochlea-Implantat wurde beispielsweise schon im Jahr 1977 in der Schweiz eingesetzt. Heute sind mehr als 4.000 Schweizer*innen mit einem Cochlea-Implantat versorgt. Doch der Bedarf liegt sicher um ein Vielfaches höher. In meiner alltäglichen Praxis erlebe ich es immer wieder, dass ein Hörverlust unbehandelt bleibt – oft, weil das Wissen um die Behandlungsmöglichkeiten einfach nicht vorhanden ist.

Doch warum können Hörimplantate eine Alternative zu einem klassischen Hörgerät sein?

Ein Hörgerät und ein Hörimplantat haben natürlich das gleiche Ziel, nämlich, dass ihre Nutzer*innen wieder hören können. Doch in ihrer Funktionsweise sind sie grundverschieden. Vereinfacht ausgedrückt, funktioniert ein Hörgerät wie ein Verstärker. Das bedeutet, es ist im Stande alle Geräusche lauter zu machen. Gleichzeitig ist es aber auch auf ein zumindest teilweise intaktes Gehör angewiesen. Hörimplantate hingegen können die defekten Teile des Gehörs komplett ersetzen – entweder im Mittelohr als Mittelohrimplantat, als im Knochen verankerte Hörlösung in Form eines Knochenleitungsimplantats oder im Innenohr als Cochlea-Implantat. Bei einem Cochlea-Implantat spricht man von einem sogenannten artifiziellen, also künstlichen, Ohr. Denn das CI kann auch dann Höreindrücke liefern, wenn man komplett ertaubt ist. Der Höreindruck eines Hörimplantats unterscheidet sich allerdings vom klassischen Hörgerät. Während man letzteres einfach anschaltet, ist bei einem Hörimplantat eine mehrmonatige Hörrehabilitation nötig, da das Hören neu gelernt werden muss.

Das klingt genial, aber für den Laien auch etwas kompliziert. Wie kann man sich ein solches Hörimplantat genau vorstellen?

So kompliziert ist es gar nicht, nur technologisch komplex. Ein Hörimplantat besteht aus zwei Teilen: Dem internen Implantat, das chirurgisch unter der Haut und hinter dem Ohr eingesetzt wird und dem externen Audioprozessor, welcher sich drahtlos mit dem Implantat verbindet. Der Audioprozessor wird entweder hinter dem Ohr getragen oder als Single-Unit-Prozessor per Magnetkraft direkt über dem Implantat gehalten.

Es ist also ein operativer Eingriff nötig, um ein Hörimplantat einzusetzen.

Das ist richtig, der Einsatz des Implantats dauert etwa 90 Minuten unter Vollnarkose. Dabei wird das Implantat unter die Haut und dem Kopfmuskel hinter dem Ohr eingesetzt. Bei einem Cochlea-Implantat wird anschließend eine Elektrode durch einen Hohlraum, den sogenannten Mastoidalzellen, über das Mittelohr in die Hörschnecke eingeführt. Bei Mittelohrimplantaten wird ein Kabel bis ins Mittelohr verlegt. Bei einem Knochenleitungsimplantat wird das Gerät hinter dem Ohr unter der Haut direkt am Schädelknochen verankert. Die Operationen sind mit wenig Risiken verbunden und werden sehr gut vertragen, auch entstehen wenig Schmerzen.

Was sagen Sie Menschen, die dennoch Ängste in Bezug auf diese Operation haben?

Die Implantation eines Hörsystems gehört heute zu den Routineeingriffen, bei denen alles standardisiert und sehr sicher ist. Letztendlich kann man es ein bisschen mit einem etwas grösseren Zahnarzteingriff vergleichen, allerdings unter Vollnarkose. Die Risiken bei einer Hörimplantat-Operation liegen im Promille-Bereich. Der Nutzen für die Betroffenen nach einem solchen Eingriff ist jedoch sehr, sehr gross.

Mit einer Operation und der anschließenden notwendigen Rehabilitation, ist das Hören lernen mit einem Hörimplantat dennoch ein etwas längerer Prozess. Was raten Sie Menschen, die in einem fortgeschrittenen Alter zu Ihnen kommen und Sie fragen, ob sich ein Hörimplantat für sie überhaupt noch lohne?

Natürlich ist jede Hörbiographie individuell. Daher muss auch immer im Einzelfall geprüft werden, ob ein Implantat die passende Therapiemaßnahme darstellt. Das Alter sollte bei der Entscheidung für oder gegen ein Hörimplantat jedoch keine Rolle spielen. Ganz im Gegenteil!

Warum?

Hören gibt so viel Lebensqualität, dass es sich immer lohnt. Das Einsetzen eines Implantats ist sogar kosteneffizient, auch im hohen Alter. Doch vor allem für das eigene Wohlbefinden ist ein gutes Hören wichtig: Menschen mit Hörverlust ziehen sich oft zurück und leben isoliert. Studien zeigen, dass unversorgte Menschen häufiger an Depressionen und Demenz leiden. Auch ist die Lebenserwartung statistisch um Jahre kürzer, wenn man nichts gegen die Schwerhörigkeit unternimmt. Es gibt Zahlen, die belegen: Eine Hörminderung hat viel weitreichendere Konsequenzen als den Verlust des Hörvermögens.

Entsprechend wichtig ist es also, dafür Sorge zu tragen, dass den Ohren nichts fehlt.

Absolut! Wenn man bei sich selbst einen Hörverlust vermutet, empfehlen wir die Durchführung eines Hörtestes und das Aufsuchen eines Spezialisten. Gleiches gilt übrigens auch, wenn man eine Hörminderung bei seinen Lieben feststellt. Denn oft bemerken die Betroffenen das eigene Hördefizit zunächst gar nicht oder wollen es sich nicht eingestehen. Hilfe von außen kann hier sehr wertvoll sein.

Apropos Hilfe: Wo können sich Ratsuchende darüber hinaus über das Thema Hörverlust und seine Behandlungsmöglichkeiten informieren?

Neben den Webseiten von HNO-Kliniken und Hörimplantat-Herstellern gibt es auch Beratungsstellen von Selbsthilfeorganisation von und für Schwerhörige und Hörbehinderte, wie ProAudito oder Informationsplattformen wie „Endlich wieder Hören“. Hier erhalten Betroffene oder ihre Angehörigen oft im direkten Austausch Informationen aus erster Hand, wie sich ein Leben mit Hörimplantat gestaltet und wie eine solche Technologie den Alltag nachhaltig verbessern kann. Darüber hinaus kann aber auch eine Beratung in einer spezialisierten Sprechstunde durch einen Facharzt weiterhelfen.

Stand: Januar 2022

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Über MED-EL

MED-EL Medical Electronics, führender Hersteller von implantierbaren Hörlösungen, hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroelektronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats (CI) führte, das 1977 implantiert wurde und die Basis für das moderne CI von heute bildet. Damit war der Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen gelegt, das 1990 die ersten Mitarbeiter aufnahm. Heute beschäftigt MED-EL weltweit mehr als 2.400 Personen aus rund 80 Nationen in 30 Niederlassungen. Das Unternehmen bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust; Menschen in 134 Ländern hören mithilfe eines Produkts von MED-EL. Zu den Hörlösungen von MED-EL zählen Cochlea- und Mittelohrimplantat-Systeme, ein System zur Elektrisch Akustischen Stimulation, Hirnstammimplantate sowie implantierbare und operationsfreie Knochenleitungsgeräte www.medel.com

 

MED-EL Schweiz GmbH

Im Dezember 2017 wurde darüber hinaus die MED-EL Schweiz GmbH mit Sitz in Tägerwilen im Kanton Thurgau gegründet. Diese Niederlassung ist hundertprozentiges Tochterunternehmen der MED-EL Medical Electronics in Innsbruck. Geschäftsführer der MED-EL Schweiz GmbH ist Gregor Dittrich. Das Schweizer Team ist für Nutzer von MED-EL Hörimplantat-Systemen tätig und betreut Kliniker, Audiologen, Techniker, Hörgeräteakustiker und Verantwortliche in der gesamten Schweiz. www.medel.com/ch

 

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