Echt weihnachtlich:
Traditionen und Bräuche in Oberbayern neu erleben
Von handgefertigtem Christbaumschmuck und selbst gebauten Krippen über Musik auf dem Berg bis zu wilden Perchten: In Oberbayern zeigen traditionelle Bräuche und besondere Veranstaltungen, wie vielfältig die Weihnachtszeit sein kann.
Oberbayern, Oktober 2026. Muss Christbaumschmuck immer aus Glas sein? Wie wird aus Naturmaterialien eine eigene Krippe? Und was passiert, wenn Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ hoch oben auf dem Berg erklingt? In Oberbayern warten auf die Besucher überraschende Antworten: Hier entstehen filigrane Christbaumkugeln aus Holz, erzählen Krippen ganze Weihnachtsgeschichten und ziehen Perchten mit geschnitzten Masken und lautem Glockengeläut durch die Orte. Zwischen kunstvollem Handwerk, besonderen Adventsveranstaltungen und jahrhundertealten Bräuchen zeigt sich Weihnachten von vielen Seiten – mal besinnlich, mal überraschend und manchmal ganz schön wild.
Echt handgemacht: Weihnachtskunst mit Liebe zum Detail
Filigrane Christbaumkugeln aus Holz: Martin Goldhofer am Tegernsee
Christbaumschmuck, der nicht aus Glas besteht und dennoch filigran wirkt, fertigt Martin Goldhofer in Rottach-Egern in der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Der gelernte Zimmermann drechselt seine „Tegernseer Christbaumkugeln“ zunächst hohl und schnitzt anschließend von Hand Muster in die dünne Holzwand. Anders als bei anderen traditionellen Techniken werden die Ornamente also nicht eingeschlagen. Das Ergebnis sind durchbrochene Kugeln, bei denen das Holz ein kunstvolles Muster bildet. Martin Goldhofer verarbeitet unter anderem Zirbenholz und heimische Hölzer. Jede Kugel ist ein Unikat; die Technik hat er selbst entwickelt und patentieren lassen. Im kleinen Ausstellungs- und Verkaufsraum beim Gästehaus Goldhofer können die Arbeiten nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Wer beim Rottacher Advent vorbeischaut, kann den Handwerker dort ebenfalls treffen und ihm beim Schnitzen über die Schulter schauen.
Lebzelterei mit langer Tradition: Haus Hipp in Pfaffenhofen
Die Hallertau ist vor allem für ihren Hopfen bekannt. Doch in Pfaffenhofen an der Ilm gehört auch ein süßes Handwerk zur regionalen Tradition: Im Haus Hipp werden seit Generationen Lebkuchen und kunstvoll verzierte Gebäcke hergestellt. Der Familienbetrieb pflegt die Lebzelterei mit viel handwerklichem Können und Liebe zum Detail.

Haus Hipp in Pfaffenhofen © Haus Hipp
Echt detailverliebt: Kleine Krippen erzählen große Geschichten
Krippenwege im Chiemsee-Alpenland
Ob liebevoll gestaltete Figuren, detailreiche Landschaften oder ganze Szenen aus dem Weihnachtsgeschehen: Krippen machen die Weihnachtsgeschichte auf ganz unterschiedliche Weise sichtbar. Im Chiemsee-Alpenland laden verschiedene Orte dazu ein, die kleinen Weihnachtswelten bei einem Spaziergang zu entdecken. Krippenwege gibt es unter anderem in Bad Endorf, Großholzhausen, am Samerberg und in Kiefersfelden. Sie verbinden den Besuch der Krippen mit einem Ausflug durch die winterliche Landschaft.
Besonders schön ist es, wenn Besucher selbst Teil der Tradition werden können. In Großholzhausen führt ein Waldweg hinauf zur Schwarzlack. Entlang des Weges dürfen auch eigene Krippen aufgestellt werden – eine Möglichkeit, die eigene Weihnachtsdarstellung in die gewachsene Krippenlandschaft einzubringen. So wird der Krippenweg zu einem Ort, an dem Besucher nicht nur die Arbeiten anderer entdecken, sondern die Tradition selbst mitgestalten können.
Kripperlweg Bad Endorf © Tourist Info Bad Endorf
Mechanische Krippen und Krippenbau in Altötting
In Altötting, dem traditionsreichen Wallfahrtsort in der Tourismusregion Inn-Salzach, wird die Weihnachtsgeschichte zur kleinen Welt für sich: In der mechanischen Krippe setzen bewegliche Figuren das Geschehen rund um die Geburt Christi in Szene. Liebevoll gestaltete Details lassen die Szenerie lebendig werden und laden dazu ein, immer neue Einzelheiten zu entdecken. Wer selbst eine solche Weihnachtswelt erschaffen möchte, erfährt in Kursen und Angeboten zum Krippenbau, wie aus Figuren, Naturmaterialien und einer kunstvoll angelegten Landschaft eine eigene Krippe entsteht.

Krippenbaukurs Altötting © Stadt Altötting
Krippen aus aller Welt im Diözesanmuseum Freising
Wie unterschiedlich die Weihnachtsgeschichte in verschiedenen Regionen dargestellt wird, zeigt die Ausstellung „Heiß geliebt und schwer vermisst“ im Diözesanmuseum Freising. Vom 29. November 2026 bis zum 31. Januar 2027 stehen Krippen aus Süditalien, Tirol, Oberbayern und Böhmen im Mittelpunkt. Die Exponate erzählen nicht nur von religiösen Traditionen, sondern auch von regionalen Materialien, künstlerischen Handschriften und den Vorstellungen ihrer Schöpfer. So eröffnet die Ausstellung einen Blick auf unterschiedliche Krippentraditionen und darauf, wie vielfältig sich das Weihnachtsgeschehen künstlerisch gestalten lässt. Das Museum auf dem Domberg 21 ist dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Lenggrieser Kripperlweg
Rund 20 Krippen laden in Lenggries im Tölzer Land vom 5. Dezember 2026 bis zum 6. Januar 2027 zu einem winterlichen Spaziergang ein. Die liebevoll gestalteten Szenen sind in Schaufenstern und an weiteren Stationen im Ort zu entdecken. Auch die Pfarrkirche St. Jakob gehört zum Kripperlweg. Die Krippen verteilen sich über verschiedene Stationen und lassen sich beim Rundgang durch Lenggries nach und nach entdecken. Die unterschiedlichen Darstellungen machen sichtbar, wie vielfältig die Krippenkunst ist – von traditionellen Motiven bis zu individuellen Interpretationen.

Krippe in der Pfarrkirche Lenggries © Tourismus Lenggries, Adrian Greiter
Echt stimmungsvoll: Wenn Musik und Geschichten Weihnachten lebendig machen
„Die Heilige Nacht“ auf dem Wendelstein
Wenn die Weihnachtsgeschichte hoch oben in den Bergen erklingt, bekommt sie eine besondere Kulisse. Beim Advent auf dem Wendelstein am 5. und 6. Dezember 2026 führt die Zahnradbahn von Brannenburg hinauf auf 1.724 Meter. Dort liest Andreas Estner Ludwig Thomas Weihnachtslegende „Die Heilige Nacht“. Musikalisch begleiten ihn der Haushamer Bergwachtgsang und die Flintsbacher Alphornbläser. Dazu gibt es Weihnachtsgebäck, Glühwein und dunkles Bier. Die Verbindung aus Literatur, Musik und Bergpanorama macht die Veranstaltung im Chiemsee-Alpenland zu einem besonderen Adventserlebnis.
Festliche Klänge im Königlichen Kurhaus
Bad Reichenhall in der Tourismusregion Berchtesgaden wird vom 19. bis 22. Dezember 2026 zum Treffpunkt für Liebhaber klassischer und alpenländischer Weihnachtsmusik. Bei der Philharmonischen Weihnacht im Königlichen Kurhaus stehen Tschaikowskys „Nussknacker“, Ludwig Thomas „Heilige Nacht“, eine bayerische Weihnachtskantate und traditionelle Weihnachtsmusik aus den Alpen auf dem Programm.

Philharmonischen Weihnacht im Königlichen Kurhaus © Bad Reichenhall
Echt vielfältig: Von stimmungsvollen Märkten bis zu lebendigem Brauchtum
Christbaumschmuck mit Geschichte: das Oaschpfeifirössl
Ein bunt bemaltes Holzpferd mit Reiter gehört zu den charakteristischen Motiven der Weihnachtszeit in Berchtesgaden: das Oaschpfeifirössl. Beim Berchtesgadener Advent lässt es sich vom 20. November 2026 bis zum 3. Januar 2027 im historischen Ortszentrum zwischen Königlichem Schloss und Stiftskirche entdecken. Das Rössl ist Teil der „Berchtesgadener War“, einer jahrhundertealten Handwerkstradition, bei der Familien Spielzeug und kleine Holzarbeiten von Hand fertigten. Ursprünglich als Kinderspielzeug gedacht, fand das Rössl später seinen Weg an den Christbaum und wurde zu einem charakteristischen Stück regionaler Weihnachtskunst. Während des Adventsmarkts schmücken mehr als 20 überlebensgroße Holzfiguren den Ort – darunter Motive der traditionellen Berchtesgadener Handwerkskunst. Wer mehr über die Herstellung und weitere kunstvoll bemalte Holzarbeiten erfahren möchte, findet Informationen bei der Berchtesgadener Handwerkskunst.
Berchtesgadender Advent © Berchtesgaden
Ein lebendiges Krippenspiel am Kloster Andechs
Maria, Josef, das Christkind, Hirten, Schafe und ein Esel: Beim Christkindlmarkt auf dem Heiligen Berg in Andechs wird die Weihnachtsgeschichte mit einer lebenden Krippe dargestellt. Vom 4. bis 6. Dezember 2026 übernehmen Menschen aus der Region Starnberg-Ammersee die Rollen und lassen das Geschehen rund um die Geburt Jesu lebendig werden. Die Begegnung mit den Darstellern und Tieren macht die Krippenszene zu einem besonderen Teil des vorweihnachtlichen Markttreibens.
Andechser Christkindlmarkt, Lebende Krippe © gwt Starnberg GmbH
Kunsthandwerk auf dem Schafhof in Freising
Individuelle Geschenkideen statt Massenware stehen beim Adventsmarkt im Schafhof oberhalb von Freising im Mittelpunkt. Am 5. und 6. Dezember 2026 präsentieren rund 50 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker im Europäischen Kunstforum Oberbayern ihre Arbeiten. Von handgefertigten Einzelstücken bis zu besonderen Geschenkideen gibt es hier Produkte zu entdecken, die durch ihre individuelle Gestaltung aus der industriell gefertigten Massenware herausstechen. Geöffnet ist am Samstag von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Historischer Weihnachtsmarkt im Markus Wasmeier Freilichtmuseum
Alte Höfe und Werkstätten bilden die Kulisse für den historischen Weihnachtsmarkt im Markus Wasmeier Freilichtmuseum in Schliersee in der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Am 5. und 6. sowie am 12. und 13. Dezember 2026 lässt sich hier erleben, wie Weihnachten früher auf einem oberbayerischen Bauernhof gefeiert wurde. Traditionelles Handwerk und regionale Lebensmittel gehören ebenso zum Markt wie die authentische historische Umgebung. Statt moderner Marktinszenierungen prägen die historischen Gebäude und Werkstätten das Bild und geben Einblicke in das bäuerliche Leben vergangener Zeiten. Informationen: www.wasmeier.de.

Wasmeiers Weihnachtsmarkt © Judith Weber
Echt wild: Wenn Perchten und Krampusse durch die Orte ziehen
Furchteinflößende Masken, zottelige Felle und das Dröhnen schwerer Glocken: Perchten und Krampusse gehören zu den eindrucksvollsten Gestalten der oberbayerischen Winterzeit. Ihre Wurzeln reichen tief in altes Brauchtum. Besonders eng sind die Perchten mit den Rauhnächten verbunden, den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Der Überlieferung nach ist dies eine geheimnisvolle Zeit, in der Geister und andere unheimliche Gestalten ihr Unwesen treiben. Die wilden Maskenläufe knüpfen an diese Vorstellungen an und werden von Ort zu Ort auf eigene Weise gepflegt.
Rauhnachtsfürsten und Perchten in der Region Inn-Salzach
In Perach werden am 29. November 2026 gegen 18 Uhr die Rauhnachtsfürsten aus Waldkraiburg erwartet. Auch der Adventsmarkt in Winhöring steht vom 26. bis 28. November im Zeichen der Perchten und Rauhnachtsgestalten. Weitere Läufe und Auftritte gibt es in Haag in Oberbayern, Neumarkt-Sankt Veit, Gars am Inn und Maitenbeth. Die verschiedenen Gruppen bringen ihre eigenen Masken und Figuren mit und halten damit regionale Spielarten des Winterbrauchtums lebendig. Termine und Details: Perchtenläufe in Inn-Salzach.

Stoa Perchten Haager Christkindlmarkt © Inn-Salzach
Krampus und Perchten im Chiemsee-Alpenland
Die geschnitzten Masken sind kleine Kunstwerke für sich: mit verzerrten Gesichtern, Hörnern und wilden Grimassen. In Kiefersfelden im Chiemsee-Alpenland gehört der Perchtenlauf am 5. Dezember 2026 um 17 Uhr am Hotel zur Post zu den angekündigten Veranstaltungen. In Bernau am Chiemsee ziehen am 12. Dezember um 16.30 Uhr die Krampusse durch den Ort. Bei beiden Läufen stehen die aufwendig gestalteten Figuren und ihre eindrucksvollen Auftritte im Mittelpunkt
Krampusläufe in Bad Reichenhall
In Bad Reichenhall gehören die Krampusläufe zur winterlichen Brauchtumstradition. Am 3. Dezember 2026 um 18 Uhr sorgen die wilden Gestalten bei Schloss Marzoll für Lärm . Ein weiterer Höhepunkt folgt am 4. Januar 2027 um 19 Uhr beim Rauhnachtslauf vor der Alten Saline: Hier treffen Passen aus Österreich und Deutschland aufeinander. Eine Moderation stellt die Figuren vor und erklärt die Hintergründe der Bräuche.

Rauhnachtslauf © Bad Reichenhall
Den Zauber der Rauhnächte in Kloster Raitenhaslach entdecken
Wer sich intensiver mit den Vorstellungen und Bräuchen rund um die Rauhnächte beschäftigen möchte, kann an der öffentlichen Themenführung „Zauber der Rauhnächte“ im Kloster Raitenhaslach bei Burghausen teilnehmen. Die rund 90-minütigen Führungen sind für den 9. und 16. Dezember 2026 vorgesehen. Die Führung widmet sich den Geschichten, Vorstellungen und Traditionen, die mit den Nächten zwischen den Jahren verbunden sind.
Echt verwurzelt: Bräuche, die von Generation zu Generation weiterleben
Nikolauswallfahrt in Altötting
In Altötting verbindet die Nikolauswallfahrt am 19. Dezember 2026 religiöse Tradition mit einem gemeinschaftlichen Erlebnis. Um 14 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Kirche St. Konrad. Anschließend führt eine Prozession zur Gnadenkapelle. Für Kinder und Erwachsene gibt es Schokoladennikoläuse. Die Wallfahrt zeigt, wie eng Adventsbräuche und die besondere Bedeutung Altöttings als Wallfahrtsort miteinander verbunden sind.

Nikolauswallfahrt in Altötting © Altötting
Klöpfeln in Aschau im Chiemgau
Wenn es in der Adventszeit dämmert, ziehen in Aschau im Chiemgau Kinder des örtlichen Trachtenvereins von Haus zu Haus. An den ersten drei Donnerstagen im Advent tragen sie Klöpfellieder vor und bitten um Spenden. Der Brauch gehört zu den überlieferten Formen des vorweihnachtlichen Singens und Sammelns. Das Geld kommt einem guten Zweck zugute. So bleibt die Tradition nicht nur lebendig, sondern wird zugleich zu einer gemeinschaftlichen Aktion für andere. Aschau im Chiemgau liegt im Chiemsee-Alpenland.
Weihnachtsbräuche bei einem Rundgang durch Neuburg an der Donau
Was Weihnachten früher bedeutete und welche Bräuche bis heute fortleben, steht bei der Führung „Alle Jahre wieder! – Ein Stadtrundgang mit Weihnachtsbräuchen“ in Neuburg an der Donau im Mittelpunkt. Am 26. Dezember 2026 führt der Rundgang von 14 bis 15.30 Uhr zu historischen Orten wie der Schlosskapelle, der Hofkirche und der Provinzialbibliothek mit der Ottheinrichbibel. Dabei geht es um weihnachtliche Traditionen und ihre Spuren in der Stadtgeschichte.

Neuburg an der Donau, Adventsführung © Katharina Krautmann
Über Tourismus Oberbayern München e.V.
Von den imposanten Alpen im Süden bis hin zur tiefblauen Donau im Norden, von malerischen Orten, weltberühmten Schlössern und der bayerischen Bierkultur bis hin zu aufstrebenden Wirtschaftsstandorten und der Weltstadt München: Mit seiner Vielfalt zählt Oberbayern zu den bedeutendsten Urlaubsdestinationen Europas. Der Tourismus Oberbayern München e.V. mit Sitz in München ist die touristische Dachorganisation für Oberbayern und vertritt die Interessen seiner rund 70 Mitglieder – mit der gemeinsamen Mission: die Wertschöpfung, ebenso wie die Wertschätzung gegenüber der Tourismusregion Oberbayern nachhaltig zu stärken.
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