Das oberbayerische Genussrezept


Vielfältig, verantwortungsbewusst, garniert mit der richtigen Atmosphäre

Lechgarten ©Oberbayern

Genuss ist ein Gesamtpaket. Er beginnt bei besonderen Zutaten und deren Kombination und Zubereitung. Eine entscheidende Rolle spielt die Atmosphäre, in der ein Gericht serviert wird. In Oberbayern finden sich zahlreiche Gelegenheiten, um genau solche Zusammenspiele zu erleben und vor allem zu schmecken. Sei es in modernen Restaurants oder traditionellen Wirtshäusern – echter oberbayerischer Genuss spiegelt die Menschen, die Kultur, den Charakter der Region wider, erzählt altbekannte und neue Geschichten. Denn das Essen in Oberbayern ist offen für Neues und dennoch seinen Wurzeln treu, kreativ und bodenständig, vielfältig und überraschend. All das wird mit einem großen Verantwortungsbewusstsein gelebt und praktiziert. Denn viele Wirte setzen auf regionale Produkte und nachhaltige Erzeugung. Für den garantiert echten oberbayerischen Genuss gibt es sogar ein Siegel. Ein Thema spielt dabei eine besonders wichtige Rolle: das Bier und seine Gärten.

Es riecht nach Leben, es schmeckt nach Leben und es fühlt sich nach Leben an: Das ist Genuss auf echt Oberbayerisch. Denn die Köche in den traditionell oberbayerischen Wirtshäusern und preisgekrönten Spitzenrestaurants sowie die mutigen Gastro-Pioniere servieren nicht nur Essen, sondern Lebensgefühl. Sie alle interpretieren die Kultur, die ihre Region so einzigartig macht, und bringen sie auf den Teller. Die Grundzutaten sind gleich: Geselligkeit und Vielfalt an einem Ort, an dem sich Menschen treffen, sich austauschen und das Leben feiern. Hinzu kommt ein hohes Maß an Qualität und ein Essen, das die Gespräche würzt und bereichert. Die Details aber unterscheiden sich von Region zu Region. So entstehen von den südlichen Alpen bis zur Donau, vom Ammersee bis zum Chiemsee einzigartige Gerichte, die zur Region gehören wie ihre Menschen und ihre Traditionen. Gerichte und Spezialitäten mit Charakter und Geschichte.

Qualitätssiegel als Kompass für echte (ober)bayerische Küche

Wo aber findet man das echte Oberbayern auf dem Teller? Eine sichere Antwort darauf gibt das Qualitätssiegel „Ausgezeichnete Bayerische Küche“. Initiiert vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, dient es als Kompass für die Genussvielfalt einer Region. In Gaststätten und Biergärten mit dieser Auszeichnung pflegen die Gastronomen die bayerische Wirthaus- und Küchenkultur, sie entwickeln sie weiter und bleiben dabei den kulinarischen Traditionen und Wurzeln treu. Kurze Wege, nachhaltige Produkte und somit die enge Zusammenarbeit mit Landwirten, Herstellern und Lieferanten aus der Region spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Für Regionalität und Verantwortung gibt es einen weiteren Wegweiser: das Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“. Eine ganze Produktpalette von Bier über Brot, Christbäume und Gemüse, Honig, Fleisch jeder Art und Obst bis hin zu Mehl, Teigwaren und Sekt wird nach strengen Kriterien bewertet. Lückenlos und transparent muss die Wertschöpfungskette nachgewiesen werden. Dahinter steht ein dreistufiges, staatliches Kontrollsystem. Alle Produkte, die dieses Siegel tragen, kommen garantiert aus Bayern, eine Vielzahl davon aus Oberbayern. Etwa ausgezeichneter Spargel und Kartoffeln aus Schrobenhausen, unzählige (Wild-)Kräuter aus der Kräuter-Erlebnis-Region Tölzer Land oder Käsespezialitäten aus dem Tölzer Kasladen. Der nachhaltigen Erzeugung von Lebensmitteln haben sich auch die Herrmannsdorfer Landwerkstätten verschrieben. „Bio“ ist dort eine Herzensangelegenheit, Molkerei- und Fleisch-Produkte sowie Backwaren stellen die Mitarbeiter selbst her. Sie werden mittlerweile nicht nur vor Ort in Glonn, sondern auch in mehreren Filialen in München sowie in ausgewählten Naturkostläden, Bio-Supermärkten, Restaurants und Metzgereien angeboten.

Regionalität und Qualität, Brauchtum und Tradition stehen im Mittelpunkt der WERTEPRODUZENTEN in der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Ein Zusammenschluss aus regionalen Produzenten – allesamt mit Fokus auf herausragende Qualität und einen besonderen Mehrwert. Darunter die Naturkäserei Tegernseer Land EG, die Slyrs Bavarian Single Malt Whisky Destillerie oder das Herbaria Kräuterparadies. Auch die Essendorfer Genussschmelzerei gehört dazu: Inspiriert von seinen Reisen und Gewürzen aus aller Welt zaubert Andreas Essendorfer mehr als 70 Geschmacksexplosionen in Form von Aufstrichen, Saucen, Dips und Pesto in die Gläser.

Hopfen aus der Hallertau, Spargel aus Schrobenhausen

Zu jeder Jahreszeit bieten die Regionen ihre eigenen kulinarischen Besonderheiten – gerade dann lohnt sich ein Besuch. So erweist sich im Spätsommer zum Beispiel die Hallertau – das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt – als genussvolles Reiseziel. Rund um die Ernte Ende August setzen die Wirt:innen heimischer Restaurants und Gaststätten extra das Hallertauer Hopfenzupfermahl auf die Karte: eine Suppe und Schweinsbraten mit Kartoffel-Endiviensalat, dazu heimisches Bier. Dieses traditionelle Menü spendierten die Bauern ihren Helfer:innen früher am Ende eines harten Arbeitstages auf dem Feld, nachdem sie über Stunden den Hopfen per Hand geerntet hatten. Heute übernehmen die Maschinen. In Scheyern aber hat jeder die Möglichkeit, einmal wie in früheren Zeiten den Hopfen von Hand zu zupfen: beim Hopfazupfa-Jahrtag, dem wichtigsten und größten Vereinsfest in der Region.
Was in der Hallertau der Hopfen, ist in Schrobenhausen der Spargel. Tausende besuchen während der Saison von Mitte April bis Ende Juni die Region, die ihr Aushänge-Gemüse jedes Jahr am dritten Samstag im Mai mit dem traditionellen Spargelfest in der Altstadt feiert.

Der Hopfen aus der Hallertau, der Spargel aus Schrobenhausen – unzählige Spezialitäten, die den kulinarischen Charakter der verschiedenen Regionen Oberbayerns widerspiegeln. Von A wie Allerseelenzopf über I wie Ismaninger Kraut und P wie Pfennigmuckerln bis hin zu Z wie Zwetschgenpavesen.

Liebe und Leidenschaft, die man schmeckt und die Vertrauen schaffen

Genuss und Leidenschaft für das Produkt gehen in Oberbayern oft Hand in Hand mit traditionellem Handwerk. Hinter den besonderen Gerichten und Zutaten stehen besondere Menschen. Blicken wir auf Martin Hofmeir aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, einem der letzten Handwerksmüller in Oberbayern. In vierter Generation betreibt er seine Kunstmühle und verarbeitet dort Getreide, das er im Umkreis von nur 40 Kilometern bei Landwirten einkauft und im selben Radius als Mehl ausliefert. Nur ein Beispiel von vielen, wie ursprüngliches Handwerk und die Liebe zur Region zusammenspielen und so einzigartige Spezialitäten hervorbringen. Um die Menschen hinter dem Genuss kennenzulernen, hat das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die „100 Genussorte in Bayern“ ins Leben gerufen – eine Sammlung von bayerischen Städten und Gemeinden, die sich durch einzigartige kulinarische Schätze auszeichnen, eng verknüpft mit der jeweiligen Landschaft und Kultur. 14 dieser Genussorte befinden sich allein in Oberbayern.

 


Ausgewählte Genussorte Oberbayern

·       Aschau im Chiemgau und Sachrang: von der kräuterreichen Weidealm bis auf den Teller – regional produziert, verkauft und verspeist

·       Bad Feilnbach: natürliche Streuobstwiesen, regionale Brennereien und Mostereien sowie Bayerns größter Apfelmarkt

·       Klosterdorf Ettal: Erfahrungsschätze und altes Handwerk einst überliefert von den Benediktinermönchen des Kloster Ettals

·       Frasdorf: geschmackvolle Milcherzeugnisse dank bester Höhenluft

·       Fridolfing: Genussradeln von Hofladen zu Hofladen

·       Oberes Isental: Schuxn, Hasenohren, Hauberling und die Sachertorte des Isentals

·       Murnau: regionale Ressourcen gemeinsam nutzen – ob Riegseer Weideochsen, Murnauer Kaffee oder Süßes aus der Schokoladenmanufaktur

·       Peiting: mehr als 70 Milchbauern und ein soziales Projekt für Integrität, Gemeinschaft und Genuss

·       Prien am Chiemsee: Renke, Brachse, Karpfen und Forelle – Spezialitäten aus dem Wasser mit Ausblick auf Schloss Herrenchiemsee

·       Rohrdorf: Von Streuobstwiesen, über Fischspezialitäten, bis Mehlspeisen und Schmalzgebäck

·       Schrobenhausen: das „Land“, wo Kartoffel und Spargel sprießen

·       Tegernseer Land: gebraut, gebrannt und frisch gefangen

·       Waging am See: Biodiversität, Slow Food und ökologische Landwirtschaft für regionale Geschmackserlebnisse

·       Wolznach: die Hopfenhochburg der Hallertau

Das Bier – bayerisches Lebensgefühl im Maßkrug

Einen ganz besonderen Platz im kulinarischen Bayern nimmt das Bier ein. Abgesehen von seinem Ruf als Lieblingsgetränk der Bayern ist es fest in der Historie des Freistaats verwurzelt. In Oberbayern, genauer in Ingolstadt, wurde am 23. April 1516 das bayerische Reinheitsgeboterlassen, das älteste Lebensmittelgesetz der Welt. Zudem liegt dort mit der Hallertau das weltgrößte Hopfenanbaugebiet. Auch befindet sich im Freistaat mit der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan in Freising die weltweit älteste bestehende Brauerei. Sie blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück. Kurzum: In Oberbayern ist das Bier zu Hause.

Neben großen Namen wie Erdinger Weißbräu, Paulaner oder Hofbräu prägen auch die

vielen kleinen, privaten Brauereien die einzigartige oberbayrische Bierkultur. So zum Beispiel. die Schlossbrauerei Odelzhausen im Westen Münchens. Interessierte Gäste können nach einem zünftigen Mittagessen im dazugehörigen Bräustüberl mehr über die Biergeschichte des Schlossguts erfahren. Familie Eser klärt dabei über die Herkunft des Doppelbocks „Operator“ auf, den die Brauerei seit 1963 einbraut und der bis heute im Münchner Nationaltheater ausgeschenkt wird.

 

Wesentlich älter ist die Geschichte der Brauerei Gutmann im Altmühltal. Im Jahre 1707 ließ der Fürstbischof von Eichstätt im Tittinger Wasserschloss eine Brauerei errichten, die schließlich 1855 in den Besitz der Familie Gutmann überging. Heute führt Michael Gutmann in sechster Generation die Brauerei, die sich rein der Herstellung von Weizenbieren verschrieben hat. Bewusst setzt man hier auf das traditionelle Verfahren der Flaschengärung.

 

Der Werdegang des Giesinger Bräu ist nahezu filmreif. In einer Garage im Münchner Stadtteil Giesing gründete Steffen Marx Mitte der 2000er-Jahre die Giesinger Braumanufaktur. Damals ahnte er noch nichts von dem kometenhaften Aufstieg seiner Brauerei. Geschickt nutzte er die Möglichkeit des Crowdfunding, um in die Brauerei zu investieren. Es folgten eine neue Brauerei inklusive Bräustüberl gegenüber der Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing sowie 2019 ein zweiter Brauereistandort mit eigenem Tiefbrunnen im Stadtnorden.

 

Welch hohen Stellenwert dem Bier zukommt, zeigt auch das Qualitätssiegel „Ausgezeichnete Bayerische Bierkultur“, das der Tourismus Oberbayern München e.V. 2015 anlässlich des Jubiläums 500 Jahr Reinheitsgebot gemeinsam mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband und demMinisterium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten neben dem Zertifikat „Ausgezeichnete Bayerische Küche“ ins Leben gerufen hat. Gäste sehen daran sofort, dass ein Wirtshaus oder Restaurant nicht nur Wert legt auf regionale und frische Zutaten, sondern auch auf besten bayerischen Biergenuss.

Das heißt nicht, dass kein Platz bleibt für Innovation. Im Gegenteil: Vielfalt zeichnet auch die oberbayerische Bierszene aus. Sie wächst, verändert sich, wird dadurch bunter und reicher. Mittlerweile ist die Liste lang mit den jungen Wilden unter den Brauern, die ihren eigenen Weg gegangen sind, sich inspirieren lassen von fernen Orten und exotischen Zutaten und daraus neue und mutige Kreationen entwickeln. Die Craft-Bier-Szene und ihre Vertreter sind ein Muss für alle, die die volle Bandbreite des oberbayerischen Biergeschmacks erleben wollen. Darunter findet sich auch die „Camba Bavaria“: Als „Camba“ bezeichnete man früher den Raum in Klöstern, in denen gebacken und gebraut wurde. Heute werden in den Räumlichkeiten der „Camba Bavaria“ unweit des bekannten Kloster Seeon eine Vielzahl innovativer Biere produziert: vom traditionellen Hellen und Weißbier bis hin zu Stouts, Porter, Imperial India Pale Ales bis hin zu Starkbieren, die im Holzfass gelagert wurden. Neben einer Brauerei gibt es bei Camba Bavaria auch eine hauseigene Bäckerei – und so schließt sich der Kreis zum alten Wort „Camba“.

Hallertau trifft St. Louis – ein Hauch Amerika ist beim Biergenuss in der Urban Chestnut Brewing Company in Wolznach in der Hallertau nicht zu verkennen. Kaum verwunderlich – schließlich braute Florian Kuplent vor einigen Jahren noch in St. Louis, Missouri. Eine kleine leerstehende Brauerei in Wolznach lockte ihn schließlich nach Oberbayern, wo er heute mit seinem jungen Team bayrische Klassiker, saisonal wechselnde Sorten sowie limitierte Sondereditionen wie holzfassgereifte Starkbiere oder Eisböcke kreiert.

Neben den großen Namen wie Erdinger oder Weihenstephan tummeln sich auch zahlreiche kleinere, private Brauer in der ganzen Region, die ihrem Handwerk alle Ehre machen.  

Der Biergarten – Geselligkeit, Tradition und historische Wurzeln

Der wohl bekannteste Ort, an dem bayerische Spezialitäten, selbstverständlich bestes bayerisches Bier und Lebensgefühl zusammenkommen, ist der Biergarten. Auch er hat eine Geschichte, die vor über 200 Jahren begann. Anfang des 19. Jahrhundert war’s, ein heißer Sommer, als die Wirte und Brauer in München ordentlich stritten. Die einen, die Brauer, schenkten ihr Bier in den eigenen Gärten unter den großen Kastanien an der Isar aus und boten zudem auch Speisen an – ein gutes Geschäft. Den anderen, den Wirten, blieben die Gäste aus. Denn Gärten mit schattigen Bäumen hatten sie nicht zu bieten. So blieben sie auf ihrem Essen sitzen. Das konnten sie nicht akzeptieren. Bayerns erster König, Maximilian I. Joseph, musste schlichten. Am 4. Januar 1812 unterzeichnete er die königliche Biergarten-Verordnung: Die Brauer durften weiter ausschenken, dazu aber nur Brot servieren. Der Frieden im Freistaat und seiner Hauptstadt war wieder hergestellt. In einem original bayerischen Biergarten darf jeder Gast deshalb bis heute seine Speisen selbst mitbringen.

Kastanien für den Schatten und die beste Lagerung

Dass die Brauereien überhaupt über die ebenso gemütlichen wie lukrativen schattigen Gärten verfügten, hatte ursprünglich vollkommen pragmatische Gründe. Gebraut werden durfte per Verordnung nur im Herbst und Winter, das Sommersudverbot galt von Georgi (23. April) bis Michaeli (29. September). Diese heißen Monate musste das gelagerte Bier irgendwie überstehen, ohne zu verderben. So gruben die Brauer Keller – nicht ohne Grund tragen viele Wirtshäuser und Biergärten den „Keller“ in ihrem Namen – dort kühlten sie es mit Eis, das sie aus gefrorenen Seen und Flüssen gesägt und geschlagen hatten. Um die Keller zusätzlich vor Wärme zu schützen, wurde die Fläche darüber mit Kies bedeckt und Kastanien gepflanzt – die perfekten Bäume für diesen Zweck: Sie wachsen schnell, wurzeln flach und ihre Kronen und großen Blätter spenden viel Schatten.

Über 100 solcher Kastanienbäume stehen allein im Biergarten am Augustiner-Keller. Er wurde bereits 1812 auf dem Münchner Stadtplan erwähnt und ist damit der wohl älteste Biergarten in der Landeshauptstadt. Auf eine lange Geschichte blickt auch der Biergarten am Hofbräukeller zurück. Im Sommer sorgt hier außerdem die Strandbar mit Sand und Cocktails für Biergarten-Fler der besonderen Art. Für Multikulti im besten Sinn steht der Biergarten am Viktualienmarkt mitten in der Stadt. So bunt wie das Publikum aus aller Welt sind dort auch die vielfältigen internationalen Spezialitäten, die es neben den klassischen Schmankerln zu entdecken gibt. Eine weitere Besonderheit: Bierliebhaber:innen können sich hier einmal durch die Biere aller Münchner Brauereien probieren. Vorausgesetzt sie statten dem Biergarten am Viktualienmarkt alle sechs Wochen einen Besuch ab. Denn dann beendet jeweils die eine Brauerei die Belieferung und die nächste übernimmt.

Doch nicht nur in der Landeshauptstadt ist die Biergarten-Kultur präsent, auch weit über die Stadtgrenzen hinaus warten unzählige traditionelle und einzigartige Exemplare. Besondere Stimmung und lauschige Sommerabende garantieren unter anderem die Biergärten, die sich am Rande der oberbayerischen Gewässer angesiedelt haben, wie etwa der Biergarten am Tutzinger Seeufer mit Panoramablick auf den Starnberger See. Das Wasser erweist sich auch beim Biergarten der Schlosswirtschaft Herrenchiemsee als beherrschendes Element. Denn dorthin gelangt man nur per Schiff. Am Ammersee lohnt sich der Besuch im Seehaus Schreyegg. Eine königliche Anlaufstelle ist der Tegernsee: Hier thront der Biergarten von Gut Kaltenbrunn, wo sich schon besagter König Max I. Joseph von Bayern das kühle Bier schmecken ließ. Am Biergarten des „Pe. Es. Kottmeier“ in Planegg plätschert direkt neben den äußersten Tischreihen die Würm vorbei. Dazu werden neben klassischen Schmankerln und Ayinger Bier auch Südtiroler Spezialitäten, Wein und Spritz serviert. Seit fast 700 Jahren schmiegt sich der Lechgarten – der einzige traditionelle Biergarten in Landsberg – an die Mauern der alten Stadtbefestigung. Andechser Bier und den glitzernden Lech in der Abendsonne – hier zeigt sich Oberbayerns Biergartenkultur von ihrer besten Seite.

Von Weißwurst, Schweinsbraten und Obazda

Einige Spezialitäten gehören zum Pflichtprogramm beim Biergartenbesuch. Beispielsweise die Weißwurst samt Brezen und süßem Senf beim Frühschoppen. Der Legende nach entstand die Weißwurst aus der Not heraus: Dem Münchner Gastwirt Josef Moser gingen im Februar 1857 die Schafsdärme für seine Kalbswürste aus. Also füllte er sie in Schweinedärme. Doch anstatt sie zu braten, brühte er sie in heißem Wasser. Denn er befürchtete, sie könnten in der Hitze platzen. Eine neue Spezialität war geboren. Dabei gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Die Weißwurst soll das „Zwölfeläuten“ nicht hören, soll also vor 12 Uhr mittags gegessen werden. Eine Wissenschaft für sich bleibt, wie man die Weißwurst richtig isst. Da gehen die Meinungen auch unter eingefleischten Weißwurst-Experten auseinander. Die einen „zuzeln“, die anderen ziehen die Wurst Schnitt für Schnitt mit Messer und Gabel aus, die dritten befreien sie in einem Zug von der Haut. Wie dem auch sei, die Weißwurst mit Brezen und kühlem Weißbier in geselliger Runde bringt Oberbayern auf den Teller.

Ebenso wie die perfekt gebratene Schweinshaxe – innen saftig, außen resch und knusprig. Ob mit Kartoffel- oder Semmelknödel bleibt Geschmacksache. Apropos Knödel: Längst haben sich in Oberbayern einige Varianten rund um die beiden Klassiker durchgesetzt, etwa Speck-, Spinat- und Kaspressknödel oder als Nachtisch der Zwetschgenknödel. Darauf spezialisiert hat sich zum Beispiel die Knödelwirtin im Gasthaus Bergmühle in Fischbachau. Sie beherrscht ihr Handwerk und gibt ihr Wissen weiter: Im Knödelkurs kann jeder Teilnehmer selbst das Knödeln lernen, ebenso wie beim Königlich Bayerischen Knödelkochkurs im Wirtshaus in der Au, der mit dem „Bayerischen Knödeldiplom“ abschließt.

Ein weiterer wichtiger und altbekannter Bestandteil bayerischen Genießertums ist der Obazda – eine pikante Käsespezialität, meist serviert mit Breze und Zwiebeln. Seit 2015 gilt der Obazda sogar als geografisch geschütztes Produkt – genauso wie das Bayerische Bier oder die Nürnberger Rostbratwürste. Im Falle des Obadza sollte das allerdings für handfesten Ärger sorgen: Denn mit der Auszeichnung ging einher, dass der Obazda (oder „Obatzter“) nur noch dann unter diesem Namen verkauft werden darf, wenn er nach bestimmten Kriterien zubereitet wurde. Mindestens 50 Prozent Käse muss er enthalten – darunter Camembert oder Brie. Hinzu kommen Butter, Paprikapulver und Salz. Die gesamte Verarbeitung der Zutaten muss außerdem in Bayern erfolgen. Ein Umstand mit finanziellen und bürokratischen Konsequenzen: Denn wer den Obazda seitdem auf die Speisekarte schreiben will, muss sich zunächst zertifizieren lassen, was im Einzelfall bis zu 300 Euro kosten kann. So verabschiedeten sich so manche Wirt:innen vom altbekannten Namen und tauften den Obazda kurzerhand um – auf Bräubazi, Ogmachter Kas, Durchdrahda oder Gerupfter.

Whisky und Gin: Echt oberbayerisch und handgemacht

Keine Frage: Bier können die Bayern. Doch auch Schnaps und Edelbrände aus der Region können sich sehen lassen. Traditionell wurde in Oberbayern vor allem das Obst der Streuobstwiesen zu hochwertigen Obstbränden verarbeitet. Doch mittlerweile ist das Bild wesentlich bunter und experimentierfreudiger geworden. Mit einer Wette begann 1994 die Geschichte von SLYRS in Schottland, der Whiskyheimat. Damals behauptete Florian Stetter, auch mitten in Oberbayern lasse sich mit regionalen Zutaten bester Single Malt Whisky brennen. Er sollte Recht behalten. Den Wetteinsatz, einen Kasten Weißbier, hat er gewonnen. 2002 verkauften er und sein Bruder Anton am Schliersee ihre ersten Flaschen SLYRS Single Malt Whisky. Heute ist er über die Freistaat- und Deutschlandgrenzen hinaus bekannt. Die Brüder folgen mit ihrem Innovationsgeist einer Familientradition. Den ersten SLYRS brennt Florian Stetter in der elterlichen Destillerie Lantenhammer, gegründet 1929. Dort entsteht auch der Josef Gin, eine Hommage an Brennerei-Gründer Josef Lantenhammer, der 1928 im Bergbauort Hausham erstmals einen „Wacholdergeist“ für seine Bergwerkskameraden destillierte. Gin wie Whisky stehen für die Philosophie der Regionalität.

Genauso wie „The Duke – Munich Dry Gin“, Münchens erster Gin der beiden Brenner Max und Daniel. Was 2007 aus einer buchstäblichen Schnapsidee entstand – so einiges an Gin Tonic soll geflossen sein beim Philosophieren über den Gin des Lebens –, wurde zu einer Erfolgsgeschichte mit Werten: Das bio-zertifizierte Unternehmen nutzt für die Herstellung nur Kräuter und Gewürze aus rein biologischem Anbau. 100 Prozent bio und handgemacht: Diese Grundsätze gelten auch für den Gin „The Illusionist“. Im Münchner Glockenbach haben ihn Max Muggenthaler und Tim Steglich ins Leben gerufen. Für alle Botanicals – die Pflanzengruppen, die im Gin vorkommen – garantieren sie Bio-Qualität. Damit der Gin nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern auch seinem Namen gerecht wird, wartet er mit einem Spezialeffekt auf: Mit Tonic gemischt, wird das satte Blau ein sanftes Hellrosa.

Aus der Quelle in die Flasche – bergfrisches Wasser aus den bayrischen Alpen

Bei aller Liebe zu Bier und Hochprozentigem – im Alltag weiß man im Oberbayern durchaus ein erfrischendes, spritziges Wasser zu schätzen. Vor allem, wenn es aus der Region stammt, genauer gesagt aus Bad Reichenhall. Aus über 300 Metern Tiefe tritt am Fuße des Staufen, scheinbar gegen alle physikalischen Gesetze, Wasser an die Oberfläche. Zwölf Jahre dauert der Weg vom Regentropfen, der auf das Gebirge fällt, bis er aus der Bad Reichenhaller Quelle entspringt. Zwölf Jahre hinunter und wieder hinauf durch Hunderte Meter mächtiges Gestein, das die kostbare Flüssigkeit einerseits filtert und ihm andererseits wertvolle Mineralien mit auf den Weg gibt. Durch den Druck des herabsteigenden Wassers und an wasserundurchlässigen Schichten vorbei gibt der Berg schließlich seinen Schatz preis: reinstes Mineralwasser. Völlig naturbelassen und direkt an der Quelle in Karlstein wird das Bad Reichenhaller Mineralwasser abgefüllt – in Glasflaschen, versetzt mit natürlich Kohlensäure und rein mit Energie aus Wasserkraft.

Kaffee mit Verantwortung

So viel zu Bier, Schnaps und Wasser. Nun zum Kaffee, insbesondere: oberbayerischer Kaffee mit Verantwortung. Blickt man zum Beispiel auf die Murnauer Kaffeerösterei oder Supremo in Unterhaching im Süden Münchens, so entdeckt man entscheidende Gemeinsamkeiten: Sie alle kaufen zum größten Teil direkt bei den Kaffeebauern, sie setzen auf persönliche Beziehungen, besuchen die Anbaugebiete, begutachten die Flächen, deren nachhaltige Bewirtschaftung, die Arbeitsweise, die Qualität des Rohkaffees, und legen größten Wert auf faire Arbeitsbedingungen. Kurzum: Einmal mehr sind es die Menschen und ihre Passion, die den Genuss am Ende ausmachen. Demselben Prinzip folgt auch Wildkaffee – die erste Kaffee-Rösterei in Garmisch-Partenkirchen: Um die Beziehung zu den Kaffeebauern zu pflegen und die Qualität zu kontrollieren, besuchen Gründer Hardi Wild und Röstmeister Josef Staltmayr regelmäßig die Kaffeeplantagen in Südamerika, Afrika und Indien. Die Leidenschaft, das Know-How und den Einsatz des Wildkaffee-Teams belohnte das Fachmagazin crema mit der Auszeichnung „Röster des Jahres 2023“.

Kaffeegenuss auf höchstem Niveau lässt sich auch in der Kaffeerösterei DINZLER erleben. Was in den 1950er Jahren als kleine Kaffeerösterei in Bischofswiesen begann, ist heute als Kaffee-Erlebniswelt am Irschenberg bekannt. Das moderne Gebäude beheimatet neben einem Bohnenladen, einer Vinothek und einer Konditorei auch ein Café und Restaurant, wo regionale und frische Zutaten zu außergewöhnlichen Gerichten verarbeitet werden.

Wer den Kaffee gerne in beschaulicher und naturnaher Umgebung genießt, findet den richtigen Platz dafür in einem der vielen liebevoll gestalteten Bauernhofcafés in der Region. Inmitten von Obstbäumen, Weidewiesen und historischen Mauern kommen hausgemachte Kuchen und Lebensmittel aus der hauseigenen Landwirtschaft auf den Teller. Wie etwa in Caros Gutscafé Gut Dietlhofen in Weilheim, wo regelmäßig bestes Bisonfleisch aus der hofeigenen Bisonzucht auf der Tageskarte steht. Derartige Schätze finden sich in ganz Oberbayern.

 

 

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Von den imposanten Alpen im Süden bis hin zur tiefblauen Donau im Norden, von malerischen Orten, weltberühmten Schlössern und der bayerischen Bierkultur bis hin zu aufstrebenden Wirtschaftsstandorten und der Weltstadt München: Mit seiner Vielfalt zählt Oberbayern zu den bedeutendsten Urlaubsdestinationen Europas. Der Tourismus Oberbayern München e.V. mit Sitz in München ist die touristische Dachorganisation für Oberbayern und vertritt die Interessen seiner rund 70 Mitglieder – mit der gemeinsamen Mission: die Wertschöpfung, ebenso wie die Wertschätzung gegenüber der Tourismusregion Oberbayern nachhaltig zu stärken. www.oberbayern.de

 

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